Im Kongo pfeifen Entwicklungshelfer auf den Pressekodex

Ich war im Rahmen meines Praxissemester beim Pole Institute im Kongo, dort vor allem eingespannt in die Arbeit des lokalen Radiosenders Pole FM. Das Institut hat seinen Sitz in Goma, im Osten des Landes. Ich müsste an dieser Stelle zu weit ausholen, um die komplexen Konflikte zu erklären, die in den letzten Jahrzehnten mehrere Millionen Tote gefordert haben. Nur so viel: Vor diesem Hintergrund ist eine Friedensmission der Vereinten Nationen (aka MONUSCO) vor Ort und zahlreiche internationale Organisationen, sowie Nichtregierungsorganisationen aus der ganzen Welt.

Wenn nun zum Beispiel die Weltbank eine neues Projekt startet –  beispielsweise eine Straße baut – ist sie auf gute Publicity angewiesen. Sie wird Verträge mit lokalen Radiosendern schließen, die Journalisten zu den Projekten schicken, um umfangreiche Reportagen darüber zu produzieren. Ganze Sondersendungen entstehen so, oft viele Folgen lang, häufig über mehrere Monate hinweg ausgestrahlt und wiederholt. In jenen sogenannten “Publireportagen” erzählen Anwohner, Politiker und Projektleiter, wie sich das Leben aller dank der Straße zum Guten verbessert hat. Negatives hat da keine Platz. Wie denn auch? Es handelt sich schließlich um Werbung, für die Organisationen tausende Dollar springen lassen.

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Was Jamaika für die Afrikapolitik bedeutet

Ich befinde mich gerade nicht in Deutschland. Das hatte ich ja im vergangenen Newsletter bereits geschrieben. Ich verfolge deshalb die Koalitionsverhandlungen nicht bis ins kleinste Detail. Aber da ich mir im Sommer bereits die Wahlprogramme der Partien vorgeknüpft hatte, möchte ich auf ein paar der Knackpunkte hinweisen, die die Afrikapolitik betreffen. Weiterlesen

Ein Genozid, der nicht ausgesprochen wird

Neulich habe ich das Buch „Die Deutschen und ihre Kolonien: ein Überblick“ gelesen. Es wollte so gar nicht zu den Eindrücken passen, die mir damals im Geschichtsunterricht vermittelt wurden. Zu vernachlässigen sei der deutsche Kolonialismus, insbesondere im Vergleich zu dem Gebaren anderer europäischer Mächte, hieß es dort. Ein erster Blick auf die nackten Zahlen mag das bestätigen. Aber das rechtfertigt doch nicht, Schülern so wenig über den Völkermord an den Herero und Nama im heutigen Namibia zu vermitteln – oder den Tod von 300000 (!) Menschen im damaligen Deutsch-Ostafrika in Folge des Maji-Maji-Aufstands auszublenden. Zugegeben, es ist fast zehn Jahre her, dass ich in der Oberstufe war. Also habe ich einen Blick in ein paar Schulbücher in der Kölner Stadtbibliothek geworfen. Weiterlesen

5 Dinge, die bei den Afrika-Berichten der Neurechten auffallen

Ich habe ein paar Google-Alerts für Themen eingestellt, die ich verfolge. Das lässt einen kurz aus der eigenen Filterblase heraus blicken. Bisher habe ich auf Links von RT Deutsch, Sputnik und die anderen Angebote rechter News-Seiten nicht geklickt. Moment, irgendjemand muss das schließlich lesen, dachte ich mir. Deshalb habe ich mich einmal in aller Ruhe (die sich dabei bewahren lässt) auf den Seiten umgeschaut – und mir auch Tichys Einblick, Junge Freiheit, Epoch Times und Compact angesehen . Immer hinsichtlich ihrer Afrika-Berichterstattung.

Diese fünf Dinge sind mir dabei aufgefallen: Weiterlesen

Afrika und die Wahl: Wie die AfD mit schiefen Zahlen Stimmung macht

Ich erinnere mich noch daran, wie die Alternative für Deutschland (AfD) bei der vergangenen Bundestagswahl für ihr schmales Wahlprogramm belächelt wurde. Dieses Jahr sind es nicht mehr nur 13, sondern 76 Seiten, die sie vorlegt. Afrika erwähnte die Partei damals mit keinem Wort; nun bereits 11 Mal. Und das ist alles andere als eine gute Nachricht.

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Replik: Afrika braucht nicht noch mehr Halbwahrheiten

Unter einer Voraussetzung hat Jochen Bittner gar nicht mal so Unrecht hat mit dem Kommentar, den er in der Zeit verfasst hat. Würden wir uns noch im vergangenen Jahrhundert  befinden, hätte sein Plädoyer „Afrika braucht mehr Kapitalismus“ durchaus ein paar berechtigte Vorschläge für eine Neuausrichtung der Entwicklungshilfe zu bieten. Nur: Die hat es in der Zwischenzeit längst gegeben. Derlei pauschales Bashing der Entwicklungszusammenarbeit ist leider nicht nur falsch, sondern auch gefährlich. Weiterlesen

FDP-Vorschläge zu Afrika: Die verpasste Chance

Bereits der Slogan des FDP-Wahlprogramms ließe sich hervorragend auf eine zukünftige Politik mit Afrika übertragen: „Schauen wir nicht länger zu“ könnte eine durchaus legitime Forderung sein hinsichtlich der mancherorts boomenden Wirtschaft. Als die Liberalen auch noch vom „Chancenkontinent Afrika“ sprechen, dessen am wenigsten entwickelten Ländern vermehrt in den Blick genommen werden sollten, bin ich wirklich gespannt. Zieht die Partei gleich ein modernes Afrikakonzept hervor, das optimistisch und wirtschaftsfreundlich ist?

Das Gegenteil ist der Fall. In keinem anderen der Wahlprogramme, die ich mir bisher in der Artikelserie angesehen habe, kommt Afrika so selten vor. Zwei Mal, um genau zu sein. Ein Mal mit Bezug auf Südafrika, eines der Länder, an denen sich Deutschland in Sachen Homoehe ein Beispiel nehmen müsse. Der zweite Fall ist bereits das Lob auf den „Chancenkontinent“.

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Wahlprogramm-Analyse: Grüne Liberalisierungsskeptiker

Es muss eine undankbare Aufgabe gewesen sein, nach einem Titel zu brainstormen, der noch nicht besetzt war. „Zukunftspakt zwischen der EU und Afrika“ haben die Grünen schließlich das Projekt getauft, das das Verhältnis der beiden Kontinente neu austarieren soll. Der Name erinnert trotzdem stark an die Marshallpläne und Compacts mit Afrika, mit der sich die Union brüstet. Inhaltlich könnten sie jedoch unterschiedlicher kaum sein.

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Die Linke und Afrika: Das Anti-Unions-Programm

Sicher, es gibt spannenderes, als sich durch Wahlprogramme zu arbeiten. Zumal, wenn sie als 144-Seiten-Bretter daherkommen, wie das von der Partei „Die Linke“. Wer jedoch zuvor auch einen Blick in das der Union geworfen, kann durchaus Spaß daran entwickeln, Punkt für Punkt abzuhaken, wie bemüht die Oppositionspartei dem Programm des konservativen Gegners zu widersprechen versucht.

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Afrikapolitik der SPD: Zeit für mehr Selbstkritik

Jeder kennt den pauschalen Vorwurf: Die CDU und SPD seien fest im Mainstream verankert, verdonnert zur Kooperation innerhalb der Großen Koalition. Inhaltlich ließen sich die Parteien da kaum noch unterscheiden.

Erst schien sich genau jener Eindruck zu bestätigen als ich mir nun das Wahlprogramm der SPD vorgenommen habe, um fortzuführen, was ich vergangene Woche gestartet habe: eine Artikelserie, in der ich analysiere und kommentiere, wie die Parteien sich eine zukünftige Politik gegenüber Afrika vorstellen. Weiterlesen