5 Dinge, die bei den Afrika-Berichten der Neurechten auffallen

Ich habe ein paar Google-Alerts für Themen eingestellt, die ich verfolge. Das lässt einen kurz aus der eigenen Filterblase heraus blicken. Bisher habe ich auf Links von RT Deutsch, Sputnik und die anderen Angebote rechter News-Seiten nicht geklickt. Moment, irgendjemand muss das schließlich lesen, dachte ich mir. Deshalb habe ich mich einmal in aller Ruhe (die sich dabei bewahren lässt) auf den Seiten umgeschaut – und mir auch Tichys Einblick, Junge Freiheit, Epoch Times und Compact angesehen . Immer hinsichtlich ihrer Afrika-Berichterstattung.

Diese fünf Dinge sind mir dabei aufgefallen:

Alles Hetze, oder? Nein.

Compact ist krass, kein Frage. Da muss für die Heftwerbung ein finster blickender Mann herhalten, dessen Hautfarbe sich kaum vom schwarzen Hintergrund unterscheidet. „Invasion aus Afrika“, steht daneben.  Aber in vielen Texten der anderen Seiten geht es recht sachlich zu. Oft ohne jegliche Wertung. Für die werden die Nutzer in den sozialen Medien ohnehin sorgen, wenn sie Zeilen wie diese der Jungen Freiheit aufgreifen: „Nordafrikaner beschmieren Haftzellen mit Kot und Blut“.

Der Unterschied macht’s

Die Beobachtung führt mich sogleich zum zweiten Punkt. Die Seiten lassen sich nicht über einen Kamm schweren. Tichys Einblick setzt auf meinungsstarke Stücke, auf Kolumnisten und umfangreiche Analysen. Hier wird ein akademisches Publikum angesprochen. Bei Epoch Times und Junge Freiheit sind die Stücke oft knapp und nachrichtlich. Da kommt jeder mit. Leser finden sich überall in der Bevölkerung, folgere ich daraus.

Abkupfern, es sei denn…

Journalistische Recherche im klassischen Sinne gibt es so gut wie nicht. Auch Internetrecherche kann aufwendig sein, ich weiß (denn auch diese Zeilen schreiben sich nicht von alleine). Was ich meine: Niemand recherchiert vor Ort, spricht mit Betroffenen oder Experten, checkt Dinge gegen, nicht einmal telefonisch. Zumindest, wenn man von den wenigen Ausnahmen absieht. Und bei denen handelt es sich dann wenig überraschend um Auftritte der AfD, die ihr Afrika-Politik unhinterfragt ausbreiten darf (Sputnik) oder Interviews mit der Identitären Bewegung (RT Deutsch). Ansonsten werden selektiv Zitate von anderen Medien kopiert.

Der Kronzeuge

Die (meist) männlichen und weißen Autoren müssen offenbar davon ausgehen, dass es glaubwürdiger wäre, wenn nicht immer nur sie die Welt erklären. Aus ihrer Sicht muss es überzeugender wirken, wenn ein „mutiger Deutsch-Afrikaner“ (Compact) das Vorgehen der Polizei am Kölner Sylvesterabend verteidigt! Der weiß schließlich, wovon er spricht, genau so wie Alice Schwarzer, die als Frau und sonst so liberale Feministin ja wohl Recht haben muss, wenn Sie auf die Grenzen der Toleranz gegenüber jenen überwiegend Algeriern und Marokkanern bestehe, die sie als „entwurzelte, brutalisierte und islamisierte junge Männer“ (Junge Freiheit) beschreibt.

Zahlen bitte!

Zahlen sind greifbar, unbiegsam, sollte man doch meinen. Insbesondere bei Tichys Einblick werden Zahlen vorgelegt, um Neutralität und Expertentum zu suggerieren. Das kann eine aufwendig analysierte Kriminalitätsstatistik von Ausländern sein. Aber meist kommt es bei allen Seiten doch auf das gleiche hinaus: die bedrohlichen Flüchtlingsszenarien. 10, 20 oder sogar 30 Millionen (Junge Freiheit) könnten in zehn Jahren in die EU kommen. 52 Millionen (Sputnik) seien auf dem Weg nach Europa, nein 100 Millionen (Tichys Einblick). Oder doch 15 Millionen (Compact), dafür bereits bis zum Jahr 2020? Ach, auch Zahlen lassen sich biegen.

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Schon meine Analysen der Afrika-Konzepte der Parteien zur Bundestagswahl gelesen? Hier entlang.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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