Eisberg: Digitale Euro

Vor ein paar Jahren, zum Abschluss meiner Ausbildung an der Kölner Journalistenschule, war ich für ein Praktikum in Hamburg beim Spiegel. Es waren die letzten Wochen des Chefredakteurs Wolfgang Büchner, die ich miterleben durfte. In manchen Ressorts lag der Schampus bereits über Wochen im Kühlschrank für den Tag seiner Abberufung. Sein progressiver, selten gut abgestimmter und manchmal auch nicht sonderlich überzeugender Digitalkurs hat – einmal abgesehen von den Onlinern – das ganze Haus gegen ihn aufgebracht. Ich erinnere mich noch gut an eins seiner ambitionierten Vorhaben, mit dem er reüssieren wollte: das „Projekt Eisberg“, das Interviews in Gesamtlänge, eingescannte Dokumente, Fotos und Videomaterial eines jeden Spiegel-Textes für die Leser*innen zugänglich machen sollte. Also alles, was sonst wie der Rumpf des Eisberges verborgen bleibt. Theoretisch eine verlockende Idee – praktisch aber ein ungeheurer Arbeitsaufwand, der recht wenig Mehrwert liefert. Ja, Leser*innen wollen Transparenz. Aber sie sind sicherlich auch froh, sich gerade nicht durch den Wust an Informationen durchwühlen zu müssen. Darin besteht ja gerade die Dienstleistung von uns Journalist*innen.

Im Kleinen mag ich die Idee aber auch heute noch, deshalb hier eine ganz und gar unambitionierte Übersicht über ein paar der öffentlich zugänglichen Quellen, die in einen Text über den digitalen Euro geflossen sind, veröffentlich beim Tech-Magazin t3n.

  • Der „Report on a digital Euro“ ist das offizielle Dokument der EZB, in dem die verschiedene Szenarien durchexerziert werden, die nun zur Diskussion gestellt sind.
  • Die Deutsche Kreditwirtschaft, der Verband der Banken, hat eine umfassende Stellungnahme veröffentlicht, die die Sicht der Privatwirtschaft verdeutlicht.

Und ja, ihr seht es richtig: Es fehlt eine tiefgreifende und schlagkräftige Perspektive der zivilgesellschaftlichen Gruppen. Sie sind late to the party. Hoffentlich nicht zu spät.