Gabun: Die Einzeldosis gegen Malaria

Ghyslain Mombo-Ngoma bei der Untersuchung einer Malaria-Probe im CERMEL, Lambaréné. (Bild: Jonas Gerding)

Wer wie ich in Kinshasa lebt, den trifft es irgendwann. Vor zwei Jahren lag ich wimmernd mit Malaria im Bett, den Blick auf die Uhr gerichtet, um die nächste Dosis Medikamente pünktlich einzunehmen.

In Gabun traf ich nun Ghyslain Mombo-Ngoma, der eine Einzeldosis-Behandlung entwickelt hat. Der Mediziner leitet eine Forschungsgruppe am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin in Hamburg und forscht zugleich am Centre de Recherches Médicales de Lambaréné (CERMEL) in Gabun. Gemeinsam mit seinem Team hat er eine Therapie namens SPAP entwickelt, die vier bereits zugelassene Wirkstoffe in einer einzigen Dosis kombiniert, statt Patient:innen wie bisher üblich über drei Tage hinweg behandeln zu müssen. In einer klinischen Phase-3-Studie mit über tausend Teilnehmenden, die Hälfte davon Kinder, erzielte die Einmalbehandlung Heilungsraten, die mit der bisherigen Standardtherapie vergleichbar sind. Welch Segen für die Patienten, dachte ich mir.

Lambaréné ist dabei kein zufälliger Forschungsort. Hier gründete Albert Schweitzer vor über hundert Jahren sein Urwaldspital, bis heute ist der Ort mit seinem Erbe als Wirkungsstätte europäischer Medizin in Zentralafrika verbunden. Aus dem Spital ist längst ein modernes Forschungszentrum geworden, das CERMEL, wo heute an vorderster Front gegen Malaria geforscht wird.

Den Auftrag für die Reportage bekam ich vom Leibniz-Magazin, weil meine journalistische Arbeit mich ohnehin regelmäßig in die Region führt: Von Kinshasa aus gibt es einen Direktflug nach Libreville. Das Leibniz-Magazin ist das Wissenschaftsmagazin der Leibniz-Gemeinschaft und berichtet über Forschung aus den Leibniz-Instituten und ihrem Umfeld.

Globale Gesundheit gehört zu meinen Kernthemen: Für NZZ Format habe ich über Zoonosen im Regenwald der Zentralafrikanischen Republik berichtet, für welt-sichten habe ich die kongolesische Infektionsforscherin Francine Ntoumi porträtiert, die in Brazzaville auf Weltniveau forscht.

Als Journalist und Korrespondent schreibe ich nicht nur, sondern liefere in solchen Fällen auch die Fotos selbst. Für diese Reportage habe ich daher Text und Bilder geliefert. Das vollständige Heft lässt sich hier herunterladen: Leibniz-Magazin.

Gold, Genehmigungen, Geduld: Als lokaler Producer im Kongo für ZDF frontal

Ein paar Minuten einer Doku sieht man selten an, wie viel Zeit in sie gesteckt wurde. Für den Dreh in den Goldminen von Haut-Uele im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo war der Aufwand nahezu irrwitzig. Kameramann Christian Kalala und ich flogen Ende Juni 2026 in die Provinzhauptstadt Isiro und benötigten zwei Tage, bis wir nach unzähligen Behördenbesuchen und Straßenkontrollen, mit Autos und Motorrädern, im Goldgräberort Giro ankamen. Mit 11 Stempeln auf der Rückseite unserer Akkreditierung konnten wir schließlich drehen. Bei den Verhandlungen haben sich auch meine Lingala-Kenntnisse ausgezahlt.

Weiterlesen

Virenjagd im Regenwald: Mein neuer Dokumentarfilm – und was er mit dem aktuellen Ebola-Ausbruch zu tun hat

Als Co-Autor Dietmar Klumpp, Kameramann Lukas Wunschik und ich im März in die Zentralafrikanische Republik flogen, wussten wir: Das Thema ist wichtig. Zoonosen – die Übertragung von Viren vom Tier auf den Menschen – gelten als eine der größten Gesundheitsbedrohungen unserer Zeit. Was wir nicht ahnten: Unser Film würde mitten in einem dramatischen Ebola-Ausbruch erscheinen.

Weiterlesen

Eisberg: Digitale Euro

Vor ein paar Jahren, zum Abschluss meiner Ausbildung an der Kölner Journalistenschule, war ich für ein Praktikum in Hamburg beim Spiegel. Es waren die letzten Wochen des Chefredakteurs Wolfgang Büchner, die ich miterleben durfte. In manchen Ressorts lag der Schampus bereits über Wochen im Kühlschrank für den Tag seiner Abberufung. Sein progressiver, selten gut abgestimmter und manchmal auch nicht sonderlich überzeugender Digitalkurs hat – einmal abgesehen von den Onlinern – das ganze Haus gegen ihn aufgebracht. Ich erinnere mich noch gut an eins seiner ambitionierten Vorhaben, mit dem er reüssieren wollte: das „Projekt Eisberg“, das Interviews in Gesamtlänge, eingescannte Dokumente, Fotos und Videomaterial eines jeden Spiegel-Textes für die Leser*innen zugänglich machen sollte. Also alles, was sonst wie der Rumpf des Eisberges verborgen bleibt. Theoretisch eine verlockende Idee – praktisch aber ein ungeheurer Arbeitsaufwand, der recht wenig Mehrwert liefert. Ja, Leser*innen wollen Transparenz. Aber sie sind sicherlich auch froh, sich gerade nicht durch den Wust an Informationen durchwühlen zu müssen. Darin besteht ja gerade die Dienstleistung von uns Journalist*innen.

Im Kleinen mag ich die Idee aber auch heute noch, deshalb hier eine ganz und gar unambitionierte Übersicht über ein paar der öffentlich zugänglichen Quellen, die in einen Text über den digitalen Euro geflossen sind, veröffentlich beim Tech-Magazin t3n (Update: mittlerweile auch online)

  • Der „Report on a digital Euro“ ist das offizielle Dokument der EZB, in dem die verschiedene Szenarien durchexerziert werden, die nun zur Diskussion gestellt sind.
  • Die Deutsche Kreditwirtschaft, der Verband der Banken, hat eine umfassende Stellungnahme veröffentlicht, die die Sicht der Privatwirtschaft verdeutlicht.

Und ja, ihr seht es richtig: Es fehlt eine tiefgreifende und schlagkräftige Perspektive der zivilgesellschaftlichen Gruppen. Sie sind late to the party. Hoffentlich nicht zu spät.

Afrika in der Schuldenfalle?

Droht Afrika eine Schuldenkrise, die absichtlich von China konstruiert wurde, um geopolitische Ambitionen durchzusetzen? Tatsächlich ist die Verschuldung auf dem afrikanischen Kontinent in den vergangenen Jahren gestiegen. Doch ist China dabei meist nur ein Kreditgeber unter vielen. Wer wie die USA allein China die Verantwortung für wachsende Verbindlichkeiten zuschiebt, setzt sich daher dem Verdacht aus, nicht als Fürsprecher Afrikas zu handeln, sondern ganz gezielt eine eigene politische Agenda zu verfolgen. Im Falle der USA ist es der offensichtliche Versuch,
Chinas wachsenden Einfluss auf und in Afrika zu kontern. Deshalb zeigt die
Debatte über die Schuldenfalle auch eine weitere Facette des Machtkampfes
zwischen den beiden rivalisierenden Supermächten.

Nachzulesen in der März-Ausgabe der Blätter für deutsche und internationale Politik.

Im Kongo pfeifen Entwicklungshelfer auf den Pressekodex

Ich war im Rahmen meines Praxissemester beim Pole Institute im Kongo, dort vor allem eingespannt in die Arbeit des lokalen Radiosenders Pole FM. Das Institut hat seinen Sitz in Goma, im Osten des Landes. Ich müsste an dieser Stelle zu weit ausholen, um die komplexen Konflikte zu erklären, die in den letzten Jahrzehnten mehrere Millionen Tote gefordert haben. Nur so viel: Vor diesem Hintergrund ist eine Friedensmission der Vereinten Nationen (aka MONUSCO) vor Ort und zahlreiche internationale Organisationen, sowie Nichtregierungsorganisationen aus der ganzen Welt.

Wenn nun zum Beispiel die Weltbank eine neues Projekt startet –  beispielsweise eine Straße baut – ist sie auf gute Publicity angewiesen. Sie wird Verträge mit lokalen Radiosendern schließen, die Journalisten zu den Projekten schicken, um umfangreiche Reportagen darüber zu produzieren. Ganze Sondersendungen entstehen so, oft viele Folgen lang, häufig über mehrere Monate hinweg ausgestrahlt und wiederholt. In jenen sogenannten “Publireportagen” erzählen Anwohner, Politiker und Projektleiter, wie sich das Leben aller dank der Straße zum Guten verbessert hat. Negatives hat da keine Platz. Wie denn auch? Es handelt sich schließlich um Werbung, für die Organisationen tausende Dollar springen lassen.

Weiterlesen

Ein Genozid, der nicht ausgesprochen wird

Neulich habe ich das Buch „Die Deutschen und ihre Kolonien: ein Überblick“ gelesen. Es wollte so gar nicht zu den Eindrücken passen, die mir damals im Geschichtsunterricht vermittelt wurden. Zu vernachlässigen sei der deutsche Kolonialismus, insbesondere im Vergleich zu dem Gebaren anderer europäischer Mächte, hieß es dort. Ein erster Blick auf die nackten Zahlen mag das bestätigen. Aber das rechtfertigt doch nicht, Schülern so wenig über den Völkermord an den Herero und Nama im heutigen Namibia zu vermitteln – oder den Tod von 300000 (!) Menschen im damaligen Deutsch-Ostafrika in Folge des Maji-Maji-Aufstands auszublenden. Zugegeben, es ist fast zehn Jahre her, dass ich in der Oberstufe war. Also habe ich einen Blick in ein paar Schulbücher in der Kölner Stadtbibliothek geworfen. Weiterlesen