Geflüchtet ins Nachbarland: Lasst sie arbeiten!

Die meisten Flüchtlinge leben in Nachbarländern. Damit sie nicht nach Europa weiterreisen, brauchen sie Arbeitsmöglichkeiten. Uganda und Jordanien machen es vor, erklären die Professoren Paul Collier und Alexander Betts.

Am 7. und 8. Juli schaut die Welt auf auf Hamburg, wenn sich die G20-Staaten treffen. Die Lage in Afrika wird ein Schwerpunktthema sein. Immerhin schafft das die Afrikapolitik in die Nachrichten, auch wenn mit recht waghalsigen Zahlen hantiert wird: Sollte die Klimaerwärmung nicht begrenzt werden, würden bis zu 100 Millionen Menschen aus Afrika nach Europa flüchten, prophezeit Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) in der „Bild am Sonntag“. „Richtig wäre es, wenn Deutschland für jeden Euro, den wir mehr in Verteidigung stecken, 1,50 Euro mehr für Krisenprävention, Stabilisierung und Entwicklungshilfe ausgegeben würden“, fordert Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) in einem Interview mit dem „Spiegel“.

Aber helfen solche Zahlenspiele in Zeiten des Wahlkampfs wirklich bei der Lösung der Probleme? Überhaupt, Lösungen werden ohnehin zu selten thematisiert. Umso interessanter ist es daher, was die Professoren Alexander Betts und Paul Collier in ihrem Buch „Refuge: Transforming a Broken Refugee System“ schreiben. Ausführliche Eindrücke geben sie auch in einer Lesung an der London School of Economics, die als Podcast zur Verfügung steht. Einige der Thesen sind sicherlich kritikwürdig. Dennoch: Ihre Forderung, dass Flüchtlinge ein Recht auf Arbeit haben müssten, ist richtungsweisend.

Dabei beziehen sie sich weniger auf die reichen Länder Europas, sondern auf die unmittelbaren Nachbarländer, in den sich Flüchtlinge meist aufhalten. Jordanien führen sie als Beispiel an. Auch dort hatten Flüchtlinge lange keine Aufenthaltserlaubnis – bis die beiden dies in einem Pilotprojekt mit der Regierung änderten. So können Flüchtlinge heute in einer Sonderwirtschaftszone arbeiten, die sich nicht weit vom Flüchtlingscamp Zaatari befindet.

Auch Uganda nennen die Autoren. Der Konflikt im Südsudan hat viele Menschen in das Nachbarland getrieben. Simone Schlindwein beschreibt in der „taz“ über die „Politik des Willkommens“. Flüchtlinge dürfen arbeiten, sich frei bewegen und bekommen Land zugewiesen. Mit steigenden Zuwandern stößt das System jedoch an seine Grenzen. Besser als in den meisten anderen afrikanischen Ländern ist es dennoch. Auch wenn Länder wie Äthiopien immer wieder für die großzügige Aufnahme von Flüchtlingen gelobt werden, ohne Arbeitsmöglichkeiten bleibt deren Lage aussichtslos. Wäre da nicht der Weg nach Europa.

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