#09 Horst Köhler, übernehmen Sie

Ja, ja, ich weiß, die Nachricht ist schon bald zwei Wochen alt: Ex-Bundespräsident Horst Köhler wird UN-Gesandter für die Westsahara. Ich werde die folgenden Zeilen trotzdem den dortigen Entwicklungen widmen und nicht den unzähligen Analysen und Kommentaren, die sich in diesen Tagen den G20-Afrika-Gipfel vorknüpfen.

Klar, der ehemalige IWF-Chef gilt als Afrika-Kenner. Dennoch tritt er ein schweres Erbe an. Sein Vorgänger Christopher Ross ist nach achtjähriger Vermittlungsarbeit zurückgetreten. Für den Kontext muss man kurz ausholen: Nach ihrer Unabhängigkeit im Jahr 1975 wurde die Region von Marokko annektiert. Erst im Jahr 1991 einigten sich die dagegen kämpfende Rebellenbewegung Polisario-Front mit der Regierung. Über den Waffenstillstand wacht die UN bis heute. Eine gute Übersicht liefert diese leider immer noch aktuelle Analyse der DW vom Vorjahr.

Immer wieder kommt es zu Kontroversen um das Gebiet. So sprach der ehemalige UN-Generalsekretär Ban Ki Moon von einer „Besatzung“, was zu Protesten auf Marokkos Straßen führte. Offiziell ist die Westsahara hingegen laut Uno-Definition ein nicht-selbstregiertes Gebiet. Der Ressourcenabbau darf deshalb nur in besonderer Absprache mit der lokalen Bevölkerung durchgeführt werden. Erst kürzlich stelle das Schweizer Unternehmen Glencore deshalb Erdöl-Probebohrungen ein. Für Schlagzeilen sorgt zudem häufig der Abbau von Phosphat. Nirgends auf der Welt befinden sich größere Vorkommen des zur Neige gehenden Düngemittels. Vor wenigen Wochen hatte ein südafrikanisches Gericht einen mit Phosphat beladenen Frachter an der Weiterfahrt nach Neuseeland gehindert.

Auch wenn sich mein Mitgefühl für die entsprechenden Unternehmen in Grenzen hält; de facto herrscht derzeit Rechtsunsicherheit. Die Europäische Kommission debattiert gerade an der Umsetzung eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs, das die Westsahara Ende 2016 als eigenständiges Gebiet – und nicht als Marokko zugehörig – betrachtete.

Da ich der G-20-Initiative bisher aus dem Weg gegangen bin, kommt die erste der Empfehlungen der Woche mit einem Ausrufezeichen versehen daher.

Wer sich durch diese umfangreiche Analyse von Jann Lay des GIGA Institut für Afrika-Studien arbeit, kann sich die unzähligen Kurz-Kommentare zur G20-Initiative sparen, die andernorts zu lesen sind. (GIGA) (!)

Wenn die Gletscher Grönlands weiter schmelzen, würde dies Ozeanströme verändern, was in der Sahelzone zu einem 30-prozentigen Rückgang der Niederschläge führen könnte. (The Washington Post)

Darum geht es bei den vier wegweisenden Wahlen in Ruanda, Kenia, Angola, Liberia, über die in den kommenden Monaten noch viel diskutiert werden wird. (Quartz Africa)

Wenn selbst ein erfahrener Haudegen wie Kris Berwouts über die Unberechenbarkeit der Krise im Kongo schreibt, ist Sorge angebracht. (African Arguments)

Wir sollten nicht nur auf Einkommensentwicklung Afrikas blicken, sondern auf Indikatoren wie Kindersterblichkeit, Lebenserwartung und Bildungsabschlüsse. (Institute for Security Studies)

Ich arbeite an einem Newsletter über das Verhältnis zwischen Deutschland und Afrika. Dies ist also eine Art Beta-Version. Noch ist offen, ob es ein wöchentlicher Kommentar, eine thematische Medienschau oder ein lose Linkliste wird – und wie sehr ich den Schwerpunkt auf wirtschaftliche Entwicklungen legen werde. Meinungen, anyone?

 

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