PPPs in Afrika: Entwicklungshilfe als Geldanlage

So viel Afrika war schon lange nicht mehr. Anlässlich des Gipfels der G20 haben die Ressortleiter deutscher Medienhäuser dem Kontinent einiges an Platz eingeräumt, ja, ihm sogar Titelseiten zugestanden. Nun gut, schließlich ist Afrika auch das Schwerpunktthema der deutschen G20-Präsidentschaft.

Im Beitrag der vergangenen Woche hatte ich die Afrika-Politik der Bundesregierung grob umrissen. Die aktuellen Programme sollen vor allem für mehr Privatinvestitionen sorgen. Natürlich kann man da sofort in die ideologischen Debatten einsteigen, was viele ja auch gemacht haben. Aber Moment, wissen wir eigentlich alle, was ein Mehr an Privatinvestitionen konkret bedeutet?

In den offiziellen Dokumenten des „Compact With Africa“ und des „Marshallplan mit Afrika“ bleibt das doch recht vage. Umso aufschlussreicher ist daher eine Videoreportage von Monitor, die von einer Sojaplantage in Sambia handelt. Finanziert wird diese vom sogenannten „Africa Agriculture and Trade Investment Fund“, in den das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bereits 75 Millionen Euro gesteckt hat. Eine Einladung an private Investoren, auch etwas beizusteuern. 10 Millionen Dollar gingen bereits an die sambische Farm, die ihr Versprechen auf Arbeitsplätze und bessere Löhne jedoch nicht einzulösen scheint.

Wie das mit so Einzelfällen leider ist, lässt sich schwer darüber urteilen, ob das nun auf alle derartigen Projekte zutrifft. Wahrscheinlich nicht. Einen (gefilterten) Blick wirft das Ministerium selbst auf ein paar Initiativen, die gefördert werden: In Mosambik beispielsweise gibt es nun ein Netz aus Shops, in denen das Equipment für Solaranlagen verkauft wird. Eine weiter jener sogenannten developpp.de-Entwicklungspartnerschaften fördert den Anbau von Bambus in Äthiopien und in Uganda wickeln Kleinbauern ihr Geschäft mit Kaffeebohnen heute über eine praktische App ab.

Ich möchte solche Projekte von meinem Schreibtisch aus nicht abschließend bewerten. Aber ich kann auf ein Grundprinzip derartiger Entwicklungsprogramme hinweisen, das nicht jedem geläufig sein sollte: Es sind (auch) deutsche Unternehmen, die von ihnen profitieren – die Phaesun GmbH, die Michael Weinig AG und SAP in den eben genannten Beispielen. In Kooperation mit lokalen Firmen und Behörden investieren sie mit staatlicher Unterstützung in afrikanische Märkte.

Und es gibt einen weiteren Profiteur mancher Public Private Partnerships: Investoren, die derzeit nach lukrativen Renditen suchen. „Geld ist auf der Welt ja in Hülle und Fülle vorhanden“, hat es Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) kürzlich formuliert: „Es sucht nach neuen Anlageformen“. Auch in der Debatte um Öffentliche Private Partnerschaften zum Bau deutscher Autobahnen wurde der Punkt immer wieder angeführt. Auch das will ich hier nicht bewerten, sondern auf den Kurs hinweisen, den die Bundesregierung fährt.

Ich frage mich, ob es wirklich ein Paradigmenwechsel ist, der sich da vollzieht. Die eben genannten Projekte beispielsweise sind ja schon ein paar Jahre alt. Und so transparent ist Müllers werbewirksamer Marshallplan leider nicht, dass sich dieser Aspekt mit dem Blick auf ein paar Zahlen klären ließe.

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