#08 Von Macht und Ohnmacht

Herrje, da greife ich schon wieder schlechte Nachrichten auf. Eigentlich wollte ich hier ja etwas häufiger auf die hoffnungsvollen Entwicklungen des viel zitierten „Chancenkontinents“ eingehen. Immerhin, ich versuche mit einer konstruktiven Perspektive zu starten: Wir, und damit meine ich in diesem Fall die Europäische Union, sind nicht machtlos, wenn sich Krisen zuspitzen. Das passiert nun schon seit längerem in der Demokratischen Republik Kongo, wo der amtierende Präsident Joseph Kabila sich davor sträubt, den Weg frei zu machen für längst fällige Neuwahlen, bei denen er nicht mehr antreten darf.

Auch scheinbar ferne Konflikte kann Europa versuchen zu beeinflussen. Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge werde die EU nun neun weitere Personen aus dem Kongo auf ihre Sanktionsliste setzen – und beispielsweise ihre Auslandskonten einfrieren. Im vergangenen Dezember hatte die EU bereits ein Dokument mit sieben Namen veröffentlicht. Der Vorwurf, der sich mitunter an Vertreter von Armee und Polizei richtet: schwere Menschenrechtsverletzungen.

Zu trauriger Berühmtheit gelangte das Land in der vergangenen Woche mit einer weiteren Meldung: Nirgendwo sonst auf der Welt gibt es so viele Binnenflüchtlinge. Auch wenn das „Internal Displacement Monitoring Centre“ von 922.000 Personen spricht, dürften die Zahlen noch höher sein, schreibt der Kongo-Kenner Dominic Johnson.

Von Macht und Ohnmacht handelt eine Kontroverse, die nun von einem Bericht der New York Times befeuert wird. Anfang dieses Jahres wurden zwei UN-Ermittler im Kongo erschossen. Ohne militärischen Schutz haben sich der Amerikaner Michael Sharp und seine schwedisch-chilenische Kollegin Zaida Catalán auf Motorrädern in ein unsicheres Gebiet begeben, um dort zu recherchieren.  Die UN hätte die beiden kaum geschützt und unzureichend auf Gefahren vorbereitet, wirft die Zeitung der Organisation vor. In einem Artikel der Congo Research Group wird dem, zumindest in Teilen, widersprochen.

Naja, dann starten wir wenigstens mit einer positiven Kurzempfehlung:

Auf dem Kontinent wird an Freihandelsabkommen gefeilt, die das ungenutzte Potential des innerafrikanischen Handels entfalten sollen. (DW)

Afrika ist reich, weil der Westen die Reichtümer stehlen würde, behauptet Global Justice Now und verweist auf Summen in der Höhe von 41 Milliarden Dollar, die den Kontinent unterm Strich verlassen. (Al Jazeera)

Nachdem das Trinkwasser in der Nähe eines Ölfördergebiets im Südsudan extrem verunreinigt ist, steht auch Daimler in der Kritik, da das Unternehmen mit der verantwortlichen Firma Petronas kooperiert. (DW)

Deutschland behauptet, über 100 Jahre nach den Verbrechen in Namibia nicht vor Gericht verurteilt werden zu können – und erntet Widerspruch. (The Economist)

Tübinger Forscher wollen herausgefunden haben, dass die „Wiege der Menschheit“ gar nicht im Ostafrika, sondern auf dem heutigen Balkan liegt. (Badische Zeitung)

Ich arbeite an einem Newsletter über das Verhältnis zwischen Deutschland und Afrika. Dies ist also eine Art Beta-Version. Noch ist offen, ob es ein wöchentlicher Kommentar, eine thematische Medienschau oder ein lose Linkliste wird – und wie sehr ich den Schwerpunkt auf wirtschaftliche Entwicklungen legen werde. Meinungen, anyone?

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