„Wie eine Katastrophe die Welt verbessert“

HB
Die Startseite des Reports über die Fukushima-Katastrophe

Gerade Wirtschaftsredaktionen tun sich schwer damit, Themen multimedial zu erzählen. Bemerkenswert ist daher, dass ausgerechnet das textlastige Handelsblatt einen bildstarken Report über die Fukushima-Katstrophe veröffentlicht hat.

Wirtschaftsjournalisten haben es nicht leicht, wenn sie Bilder benötigen, um etwas zu erzählen. Konjunktureinbrüche, Arbeitslosenzahlen und Vorstandswechsel sind nun einmal leichter aufgeschrieben als mit der Kamera eingefangen. Wahrscheinlich sind auch daher multimediale Wirtschaftsgeschichten die Ausnahme. Umso interessanter ist daher das Projekt, dass das Handelsblatt am vergangenen Dienstag, dem dritten Jahrestag des Fukushima-Unfalls, vorgelegt hat: „Interaktiver Report: Wie eine Katastrophe die Welt verbessert“.

Angenehm ist, dass man den ganzen Report im Vollbildmodus verfolgen kann. Vor allem aber haben die Macher verstanden, was es braucht, um Wirtschaft multimedial aufzubereiten: Im ersten Kapitel – „Die Katastrophe“ – erzählen unter anderem Betroffene und ein Korrespondent, wie sie die Ereignisse persönlich erlebt haben.

Dafür gibt es jeweils Unterkapitel, in denen man sich wiederum durch kurze Texthäppchen klicken kann. Das ist teilweise etwas zu kleinteilig und man verliert schon einmal aus den Augen, in welchem der Untertitel man sich nun eigentlich befindet. Dennoch: Insgesamt kann man sich durch das komplette Dossier wie durch eine lange Bildergalerie navigieren – inklusive Bilder und Texten. Wirklich verirren kann man sich also nicht.

Das nächste Kapitel „die Entscheidung“ widmet sich Politikern wie Angela Merkel, die erklärt hat, deutsche Kernkraftwerke abschalten zu lassen. Auf einen Ausschnitt ihrer bahnbrechenden Rede folgt die nächste Episode, die dies nach sich gezogen hat: „Die Wende“, hier ebenfalls in einem Videoporträt erzählt – aus der Sicht eines Unternehmers. Zuletzt zeigt eine Grafik und einige Fakten den Energiemix und die Herausforderungen, die wir für in Zukunft zu erwarten haben. Eine runde Sache, auch wenn gerade das letze Kapitel etwas dünn ausfällt.

Die abschließenden Worte lassen sich auch auf das journalistische Vorhaben des Handelsblatt übertragen, multimedialer zu arbeiten:“Die Wende ist noch nicht geschafft. Das ist erst der Anfang.“ Aber ein guter. 

Der deutsche Journalismus würde die digitale Revolution verschlafen. Ich kann dieses ewige Lamento nicht mehr hören. Weil es nicht stimmt. Es gibt mittlerweile ausgezeichnete innovative und multimedial erzählte Geschichten. Wir bräuchten nur mehr davon. Deshalb hier: eine gelegentliche Prise Inspiration.

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