„Homs – ein zerstörter Traum“

Homs
Majid ist einer der Syrer, die den Krieg dokumentieren (Quelle: Screenshot arte.tv)

Hinter der preisgekrönten Doku über den Krieg in Syrien verbirgt sich eine beeindruckende Chronik des Konflikts. Tagebuchartig erzählen drei junge Syrer in Kurzvideos, wie sie den Frieden wollen, aber sich immer mehr in den Konflikt verstricken.

Syrien ist der journalistische Alptraum. Es nicht möglich, in den Flieger nach Damaskus zu steigen, um von dort aus den Krieg zu dokumentieren. Wir sind auf die Bilder, Videos und Berichte der Menschen vor Ort angewiesen. Aber auf wen ist Verlass? Vergangene Woche zeigte Arte die Reportage „Homs – ein zerstörter Traum“. Es ist die tragische Geschichte von drei jungen Syrern, die mit ihren Kameras den Konflikt aufnehmen und sich immer mehr selbst darin verstricken. Sie wollen den Frieden und werden zu Kriegern.

Unter dem Film gibt es einige interessante Zusatzinfos: ein zusammenfassender Text, eine Fotostrecke, ein paar Fakten und ein Interview (Nur die Kommentarfunktion scheint schlecht moderiert zu sein). Vor allem aber führt ein Link zu den „Tagebüchern einer Revolution“ – einer beeindruckenden Dokumentation der Dokumentation. Die einzelnen Videoschnipsel, die Oussama, Majid und Amer in den vergangenen eineinhalb Jahren aufgenommen haben sind dort zu einer detaillierten Chronik aufgeführt. Man kann sich durch den Zeitstrahl navigieren, einem der Aktivisten im einzelnen folgen oder die Kapitel des Widerstands öffnen. Das ist nicht nur aus journalistischer Sicht ein spannendes „Making of“. Es offenbart auch Details über den bewegenden Kampf der Männer, Bilder und Eindrücke, die es nicht ins Video geschafft haben. Die Vielzahl erschlägt, könnte man einwenden. Was einen aber eigentlich fertig macht, ist der Umstand, dass sie nach eineinhalb Jahren immer noch Videos einsenden müssen, um diesen Krieg zu zeigen .

Eigentlich hatte ich eine andere Produktion im Blick, die ich vorstellen wollte: „Africom – von Stuttgart nach Afrika“, ein Webdossier der Stuttgarter Nachrichten über das US-militärische Militärkommando und deren umstrittene Operationen in Uganda und dem Kongo. Cool, dachte ich. Ein aufregendes Thema, exklusiver Zugang zu den Einsatzkräften und alles multimedial erzählt. Dann war ich ziemlich enttäuscht. Erst beginnt der Chefredakteur der Zeitung mit einer lahmen Einführung, die mit NSA-Verweisen nur noch mehr Verwirrung stiftet. In den Texten selbst ärgern Schludrigkeiten wie diese: Anstelle der Giftschlange „grüne Mamba“ wird da plötzlich die „grüne Mama“ erledigt und zwei Absätze in nur einem Text beginnen mit der selben – ohnehin schwachen – Floskel „Kein Wunder, dass…“. Weshalb der Einsatz nun umstritten ist, erfährt mangels kritischer Stimmen auch niemand wirklich. Und als crossmediale Ergänzung sollen verwackelte und unbearbeitete Videos erhalten, die gerade einmal 30 Sekunden dauern – genauso lange wie die Werbung davor. Vielleicht hätte man die Produktion lieber nicht zur Chefsache erklären sollen.

Der Journalismus würden die digitale Revolution verschlafen. Ich kann dieses ewige Lamento nicht mehr hören. Weil es nicht stimmt. Es gibt mittlerweile ausgezeichneten innovativ erzählte Geschichten. Wir bräuchten nur mehr davon. Deshalb hier: eine gelegentliche Prise Inspiration. (Der Nachfolger der Samstagslektüre)

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