Aufgeklärt oder aufgeschmissen?

Macht der Konsumenten
Bio? Regional? Saisonal? Kaufen ist kompliziert

Unbefangen einkaufen? Geht nicht: In Zeiten von Bewertungs-Portalen, unzähligen Siegeln, verklausulierten Etiketten und Fleischskandalen bewegen wir Konsumenten uns irgendwo zwischen Verwirrung und Selbstverwirklichung. In einer WDR-Sendung fragt sich mein Jahrgang der Journalistenschule: „Die Macht der Verbraucher – wie mündig sind wir wirklich?“

Die Idee für die Sendung geht auf eine Geschichte in der ZEIT zurück. Es war die Woche vor der Bundestagswahl. In den Talkshows stritt man sich über Steinbrücks Mittelfinger und – zugegeben – auch über das ein oder andere sinnvolle Thema. Wie zu jeder Wahl meldeten sich auch wieder die Stimmen, die sagten, dass sich der Fußweg zur Wahlkabine, ja, nicht einmal die Spucke für den Briefumschlag lohne. Politisch könne man doch eh nichts bewirken.

Wolfgang Uchatius, der Leiter des ZEIT-Dossiers stellte sich die Frage: „Soll ich wählen oder soll ich shoppen?“ Wir leben in einer Welt des globalisierten Kapitalismus, in der so viele Entscheidungen ohnehin auf den Märkten getroffen werden. Bringe es heute überhaupt etwas, einer Partei eine Stimme zu geben? Gute Frage!

Ausgehend davon hat im Oktober mein Jahrgang der Kölner Journalistenschule den Gedanken für ein Radioprojekt aufgegriffen: Was kann man als Konsument bewegen? Schnell haben wir gemerkt, dass wir dabei nicht ausklammern wollen, dass wir erst einmal danach fragen müssen, welche Informationen uns über Produkte überhaupt zugänglich sind. Das Ergebnis ist die Profit-Sendung des WDR5: „Die Macht der Verbraucher – wie mündig sind wir wirklich?“

Ein kleiner Vorgeschmack gefällig? Wir lichten den Siegel-Dschungel, entschlüsseln mit Oliver Huizinga von Foodwatch verklausulierte Etiketten-Beschreibungen, navigieren uns durch den Supermarkt mit Barcode-Apps, unternehmen einen Ausflug ins Soester Ökoparadies, blicken Hipstern über die Schulter, die das Selfie mit den neuen Schuhen bei Facebook posten. Wir fragen den Soziologen Jörn Lamla: Sind wir heute wirklich schlauer? Und: Können wir mit dem Einkauf auch im großen Stil etwas bewegen?

Für die Moderation war ich heute im WDR-Studio. Die Sendung ist also schon aufgezeichnet. Ausgestrahlt wird sie am kommenden Samstag um 18 Uhr. Entweder hier einschalten – oder später den Podcast nachhören.

Historisch-soziologisch Interessierte können hier eine kleine Geschichte des Konsums nachlesen. Und wer selbst nach der Sendung noch nicht genug Konsum über die Hörgänge konsumiert hat: Caspar Dohmens Feature „Käuferstreik – vom Mythos der Verbrauchermacht“ läuft am Sonntag morgen um 11 Uhr.

Bildquelle: Ramón Goeden unter CC BY-NC-SA 2.0

Ein Gedanke zu “Aufgeklärt oder aufgeschmissen?

  1. Wir konsumieren uns zu Tode – Nach uns die Sintflut
    Wir können uns unseren Lebensstil nur auf Kosten anderer leisten. Das ist bekannt. Unbekannt ist hingegen, inwieweit sich schon die Produktion von Alltagsgegenständen wie Handys oder Kugelschreiber unmittelbar auf Kinderarbeit, umkippende Gewässer und Versteppung ganzer Landstriche auswirkt. Die Autoren zeigen die fatalen ökologischen, politischen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen unseres Lebensstils.
    Ob Zucker, Wasser oder Kupfer — wir nutzen und benutzen diese “Stoffe” täglich, aber über ihre physische Realität, ihre Herkunft, ihre Geschichte, ihre Zukunft wissen wir fast gar nichts. Mit ihnen untrennbar verbunden sind Fragen nach Gerechtigkeit und Verantwortung, Energieverbrauch und Wirtschaftlichkeit.

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