Die Tropenklinik

Das Krankenhaus in Kangu, von Belgiern errichtet, wird heute von Kongolesen geführt
Das Krankenhaus in Kangu, von Belgiern errichtet, wird heute von Kongolesen geführt

Es ist das einzige Krankenhaus weit und breit: Aus bis zu 70 Kilometer entfernten Dörfern reisen die Patienten in das Krankenhaus – allerdings nur wenn es wirklich brenzlig wird. Denn für die alltäglichen Krankheiten sind oft keine Ärzte zuständig – sondern Krankenpfleger.

Einmal im Monat beugen sich die Krankenpfleger gemeinsam über die Papierberge ihrer Arbeit. In einem Backsteinhaus in Kangu, dem einzigen Krankenhaus der Region sichten sie, wie viele HIV-Kranke es in den einzelnen Orten gibt, wie viele Knochenbrüche, wie viele Kinder, die an Malaria erkrankt sind. Sie tragen die Informationen zusammen, um sie dann an die Gesundheitsbehörden zu schicken. Danach zieht jeder der Krankenpfleger wieder davon – in kleine Städte und Dörfer, bis zu 70 Kilometer vom Krankenhaus entfernt. Die „Infirmiers“, wie die Krankenpfleger genannt werden, sind die Hausärzte des Bas-Congo.

Die „Coburger Initiative für Ärzte im Congo“ versucht seit 2009 dem Krankenhauses in Kangu zu helfen. Sie sammelt Spenden, um Ärzte des Krankenhauses finanziell zu unterstützen, damit sie auch aufwendige Operationen durchführen, die sich sonst nicht rechnen würden. Bezahlen müssen die Patienten dafür allerdings trotzdem – manchmal allerdings weniger als gewöhnlich.

Bedizuba Khonde Alphonse organisiert die regelmäßigen Treffen der Krankenpfleger. Er ist selbst einer von Ihnen. Und so kennt er die klassischen Krankheiten, mit denen die Menschen in den Dörfern und Städten der Region Mayombe im Bas-Congo zu kämpfen haben nicht nur aus den Statistiken: Malaria und Typhus, aber auch Grippewellen. „Einfache Wunden verarzten die Infirmiers auch noch“, sagt er. Doch schon Patienten mir Knochenbrüchen werden meist in das Krankenhaus geschickt, wie auch Patienten mit lebensgefährlichen Krankheiten wie der Tuberkulose.

Seit den 1920er Jahren ist das Krankenhaus in Kangu das medizinische Zentrum der Region. Damals war das Land noch in den Händen der belgischen Kolonialherren, die das Krankenhaus errichtet haben und auch mit Geld und Material ausstatteten. Heute gehört das Krankenhaus der Kirche. Das Geld kommt vom kongolesischen Staat – beziehungsweise von den Patienten selbst. Denn: Für jede Behandlung müssen sie zahlen. Versichert ist fast niemand. Von den 300 Betten, die das Krankenhaus einst ihren Patienten zur Verfügung stellten, sind noch 100 geblieben. Und selbst die sind selten alle belegt.

Durch ein xx-Stipendium hospitierte Michel Mbungu ab 2008 für eineinhalb Jahre im Coburger Klinikum in der Anästhesie. Ein Gespräch über Sprachbarrieren und Luxusmedizin
Durch ein Stipendium hospitierte Michel Mbungu ab dem Jahr 2008 für eineinhalb Jahre im Coburger Klinikum in der Anästhesie. Ein Gespräch über Sprachbarrieren und Luxusmedizin. Leider in nur mäßiger Qualität

So wird immer mehr Arbeit von den ausgebildeten Krankenpflegern vor Ort übernommen. Für die 100 000 Einwohner der Region haben sie sich in Gesundheitszentren zusammengeschlossen – und werden dabei von 20 Ärzten unterstützt. So versorgt in der Region jeder Arzt 5000 Menschen – allerdings mit Unterstützung der Pfleger. Zum Vergleich: In Deutschland werden 5000 Menschen von 17 Ärzten versorgt.

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