Auf Seelenfang

Fotografieren ist Seelen fangen. Das zumindest glauben viele Kongolesen. So wird mit jedem Foto auch ein Teil der Seele abgelichtet. Weiß der Teufel, was man damit alles anfangen kann – und dass auch noch im fernen Europa. Höflich um Bilder bitten kann helfen. Im Vorbeilaufen Fotos zu schießen macht jedenfalls alles nur komplizierter.

Ich eilte mit Michel durch die Straßen des Güterhafen Bomas – entlang der Marktstände. Dort verscherbeln Händler alles, was in Europa ausrangiert und in Containern nach Afrika geschippert wird: Autoreifen, Bildschirme, Tastaturen, Herrenschuhe, Uhren und DVDs. Aus der Hüfte knipste ich die Handys und Netzkabel, die ein Verkäufer auf einer Stoffdecke angehäuft hatte. 20 Schritte später waren wir umringt von dem Verkäufer und sechs Mitstreitern, die laut und durcheinander in Kikongo auf Michel und mich einredeten. Ich hätte doch nur Dinge fotografiert, keine Menschen, versuchte ich wieder und wieder zu beschwichtigen. Selbst als das Foto gelöscht und ich die restlichen Fotos gezeigt hatte, ließen sie nicht locker. „Filou“, kommentierte Michel nur, nachdem wir die aufgebrachten Händler zur Seite geschoben und hinter uns gelassen hatten: „Gauner“. Sie hatten wohl noch anderes im Sinn, als eingefangene Seelen zurückzufordern.

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