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Journalisten wollen gelesen, gesehen und gehört werden. Aber wie präsentiert man sich und seine Arbeit am besten im Netz? XING allein ist öde. Und das Basteln der eigenen Homepage total umständlich. Fünf stylische Alternativen, die einiges drauf haben

Ja, ja, sie haben wohl Recht: diejenigen, die sagen, dass XING und LinkedIn ein Muss für die Vernetzung und die eigene Darstellung im Internet sind. Die Profile auf den Karriereportalen sind zur digitalen Visitenkarte geworden. Mittlerweile tummeln sich dort Juristen, Ärzte, Designer, Wissenschaftler. Nicht nur Journalisten eben. Deshalb haben die Stimmen ja wahrscheinlich auch Recht.

Aber trotzdem: Es gibt viel mehr Optionen, sich und seine Arbeit zu präsentieren. Dafür muss man keine eigene Homepage programmieren können, sondern nur ein paar Online-Dienste kennen. Denn die lassen sich individuell auf die journalistische Arbeit zuschneiden – nicht als Konkurrenz, sondern als Ergänzung zu den beiden Karriere-Klassikern. Hier sind sie:

1. About.me – der schlanke Einsteiger

Eine für alles. Anmelden, Bilder hochladen, ein paar Zeilen über sich, ein paar Links zu Twitter und anderen Accounts einbauen. Alle Features erklärt sich von selbst. Und schon steht ein schlichtes aber schönes About.me. Mehr muss nicht sein.

Aber: Sehr viel mehr sollte auch nicht sein: Zwar kann die Selbstbeschreibung etwas ausführlicher ausfallen, beispielsweise auch Youtube und Instagram verlinkt werden oder in einem WordPress-Ticker aktuelle Beiträge einfließen. Allerdings gilt: Wer die Seite zubaut, versaut das schlichte Design.

2. Vizify – der Social-Media-Schwamm

Zugegeben, Vizify ist etwas für experimentierfreudige Social-Media-Maniacs. Ohne die Einbindung diverser Netzwerke läuft nichts. Doch wer den Dienst brav mit Daten füttert, muss sich nur noch zurücklehnen. Die Spuren, die man im Netz hinterlassen hat, saugt Vizify auf und fügt sie wie von Zauberhand zu einem Bild. In bunten Kreisen, versteht sich. Die Stationen des Lebenslaufs formen sich zu einer schmucken Balkengrafik, besuchte Orte zu einem Netz auf einer Karte und abgeschickte Tweets zu einem Video-Porträt.

Aber: Ist das dann auch wirklich das Bild, das man der Welt verklickern möchte? Manche Features kann man kontrollieren. Ein paar Stichwörter über sich, Lieblingszitate und die Auswahl der Kreise zum Beispiel. Doch bei vielem gibt man die Zügel aus der Hand oder bekommt wenig aussagekräftige Infos zusammengewürfelt.

Dennoch: Probiert’s aus! Denn wer sich am Ende gar nicht in seinem vizifizierten Selbst wiederfindet, sollte entweder seine Social-Media-Aktivitäten überdenken. Oder sein Selbstbild. Oder beides.

3. Torial – der schlichte Allrounder

Jetzt mal ehrlich: Wer interessiert sich eigentlich dafür, ob das Volontariat jetzt im Jahr 1993 absolviert wurde? Oder doch erst 1995? Sind die ganzen Infos zu Person nicht zweitrangig? Bei Torial ist das so. Als erstes bekommt man Reportagen zu lesen, Podcasts zu hören, Youtube-Clips zu gucken oder Tweets gestreamt – alles ordentlich in Kästchen aneinandergereiht. Die Arbeit steht im Mittelpunkt. Und nicht die Selbstinszenierung. Wer überzeugt ist, kann immer noch in den Angaben „zur Person“ stöbern, den Lebenslauf schmökern, Netzwerke abchecken oder sich über etliche Social-Media-Kanäle verknüpfen.

Aber: Schade bloß, wenn man beruflich seitenweise Papier voll schreibt, noch nichts von Vimeo gehört hat und Twitter den Online-Kollegen überlässt. Aber warum sollte es nicht auch mit einer minimalistischen Ausstattung gehen? Und mit ein paar Wochen Verzögerung landen ja selbst ZEIT-Dossiers online.

Ähnlich funktionieren übrigens auch clippings.me und pressfolios.com.

4. Flavors.me – das individuelle Portfolio

Flavors.me ist das, was man draus macht. Eine simple Visitenkarte? Kein Ding. Bilder hochladen, ein paar Infos zu sich, Kontaktdaten. Fertig. Die individuelle Bewerbungsmappe? Auch möglich. Einfach die Stichwörter einfügen, per Mausklick klappen dann Fenster auf, in die Texte verlinkt oder Videos eingebaut werden können. Die Verknüpfung mit Sozialen Netzwerken, eine kreative Selbstbeschreibung oder ein eingebetteter Blog- oder Youtube-Stream? Alles machbar.

Aber: Es geht schlicht, aber auch ausgefeilt. Das ist nicht nur zeitaufwändiger, sondern birgt auch ein Risiko: Blickt noch jeder durch, der kurz vorbeiklickt? Heikel wird’s, wenn man im Vorfeld nicht so recht wusste, welche Inhalte eigentlichen wie dargestellt werden sollen. Nicht verzetteln!

5. WordPress.com – das erweiterte Notizheft

Viele verstehen Blogs als ein öffentliches Notizheft. Dabei liefern sie auch enorm viele Möglichkeiten für die Selbstdarstellung. Eine Kopfzeile mit Foto und Text, das Einbinden sämtlicher sozialer Netzwerke, eigene Seiten mit Lebensläufen, eingebauten und verlinkten Arbeitsproben. Ja, bis hin zur Auswahl verschiedener Layouts und der farblichen Gestaltung ist (fast) alles möglich. Und das große Plus: Das schließt das Bloggen ja nicht aus. Und so können Themen kommentiert, andere Beiträge kuratiert oder über aktuelle Projekte berichtet werden.

Aber: Theoretisch geht’s auch ohne regelmäßige Posts im Blog. Allerdings hatte WordPress ursprünglich sicherlich anderes im Sinn. Und so fordert die Pflege eines Blogs Zeit und Nerven. Und die sind anfangs eh schon etwas angeschlagen. Denn so nutzerfreundlich WordPress auch ist. Es vergehen einige Nächte mit Spielereien an den Einstellungen, bis die Seite auch das macht, was man von ihr will.

Welcher Dienst fehlt? Welcher gefällt euch (nicht)? Braucht man XING/LinkedIn wirklich noch? Ich freue mich über Meinungen in den Kommentaren!

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