Ein Kurzfilm mit nur zwei Perspektiven, ein Streifzug durch sechs Bars und ein Plädoyer, washalb bei der Wahl zu wenig zur Wahl steht – die Perlen der Woche.
- Einen großen Teil unserer Zeit verbringen wir online: Wir skypen mit Freunden, schreiben ihnen per Whatsapp und Facebook. Real-Life, das läuft auch online ab. Nur bislang hat sich das wenig in Filmen und Serien wiedergespiegelt. Zwei Filmamacher haben nun beim Toronto International Film Festival für Furore gesorgt, weil sie genau das nachgeholt und auf die Spitze getrieben haben. Ihr Kurzfilm Noah kennt nur zwei Kameraperspektiven: den Bildschirm des PCs und des iPhones eines Jungen, der mit seiner Freundin Schluss macht. Das Ergebnis ist eine clevere 17-minütige Super-Low-Budget-Produktion und die Erkenntnis, wie sehr die sozialen Netzwerke uns im Griff haben.
- Wo sind die Deutschen zu Hause? Klar, in der Kneipe. Da muss man doch mitkriegen, wie sie ticken, die Menschen, die dieses Wochenende wählen. Und so ist Lucas Vogelsang losgezogen mit der Idee über einen Streifzug durch Berlins Eckkneipen eine Reportage zu schreiben. Ob er geahnt hat, was er ZEIT ONLINE da zurückbringen wird? Sieben Tage an der Quelle könnte als Popliteratur durchgehen: ein irrwitziges Stück über schräge Typen, voller Dialoge, das sich streckenweise wie ein Theaterskript liest – inklusive Regieanweisungen. Irgendwie handelt es davon, was die Deutschen so umtreibt. Was das jetzt für die Wahl bedeutet? Keine Ahnung. Egal. Lesen!
A propos Wahl. Hier kommen noch zwei Beiträge geschätzter Kollegen der Kölner Journalistenschule:
- Die Cover der Magazine und Zeitungen, der Bundespräsident, ja, selbst Twitter fordert mich auf, wählen zu gehen. Mit gutem Grund: Wenn immer weniger Menschen zur Urne gehen, wird eine Wahl zur Farce. Aber warum scheuen so viele den Wahlgang? Sind sie politikverdrossen? Nein, nur enttäuscht, schreibt Marius Gerads für stern.de in einem Bekenntnis darüber, weshalb ihm das Wählen so schwer fällt: Weil er den Einheitsbrei der Parteien nicht mehr sehen kann und Politiker daran scheitern, uns zu erklären, wie die komplexen Probleme unserer Zeit nun zu lösen sind. Wählen wird er trotzdem.
- Schon vor fast zwei Monaten hat sich Timo Stukenberg ein paar Daten vorgenommen, um die These Angela Merkels auf die Probe zu stellen, dass sie „die erfolgreichste Regierung seit der Wiedervereinigung“ angeführt habe. Er hat verglichen, wie viele Gesetze ihre und vergangene Regierungen auf den Weg gebracht haben. Auch wenn er nur die Menge und nicht den Inhalt der Gesetze berücksichtigt, ist die Tendenz klar: Sonderlich produktiv war die Regierung nicht.
So viele Nachrichten sind in der vergangen Woche an uns vorbeigerauscht. So viele haben wir nur hastig zum Ende gescrollt. Das Wochenende bietet endlich die Zeit, auch lange Stücke zu zu lesen, zu schauen und zu hören. Einmal wöchentlich sammel ich hier meine persönlichen Perlen der Woche.