Als Co-Autor Dietmar Klumpp, Kameramann Lukas Wunschik und ich im März in die Zentralafrikanische Republik flogen, wussten wir: Das Thema ist wichtig. Zoonosen – die Übertragung von Viren vom Tier auf den Menschen – gelten als eine der größten Gesundheitsbedrohungen unserer Zeit. Was wir nicht ahnten: Unser Film würde mitten in einem dramatischen Ebola-Ausbruch erscheinen.
Heute sitze ich in Kinshasa. Wenige Hundert Meter von meiner Wohnung entfernt analysiert das Nationallabor täglich neue Ebola-Proben. Seit über einem Monat breitet sich das Virus unkontrolliert aus. Hunderte Menschen im Osten des Landes sind infiziert, viele gestorben.
„Virenjagd im Regenwald“ ist ab sofort auf YouTube und auf NZZ.ch verfügbar – als Teil der Dokumentationsreihe NZZ Format, ausgestrahlt auf SRF 1.
Im Mittelpunkt steht Frédéric Singa, Veterinärmediziner im Naturschutzgebiet Dzanga Sangha – einem Park, der vom WWF verwaltet wird. Er fängt Fledermäuse, nimmt Proben von Gorillas und Nagetieren, und versucht so früh zu erkennen, welche Erreger im Regenwald zirkulieren. Als kürzlich Mpox ausbrach, war Singa sofort vor Ort – analysierte Proben in einem lokalen Feldlabor und ermöglichte eine schnelle Reaktion. Im Hintergrund wertet das Helmholtz-Institut für One Health in Greifswald die Daten aus und speist sie in eine globale Datenbank ein.
Wir wissen, wie man Epidemien früh erkennt und stoppt. Die Werkzeuge existieren. Was fehlt, ist die flächendeckende Umsetzung – und der politische Wille, sie zu finanzieren. Der aktuelle Ebola-Ausbruch im Kongo ist kein Versagen der Wissenschaft. Er ist ein Versagen der Prioritäten.
Es ist meine erste Arbeit als Co-Autor eines NZZ-Format-Dokumentarfilms. Bei unseren beiden früheren gemeinsamen Projekten war ich als Local Producer tätig: einer Dokumentation über die UN-Mission MONUSCO im Kongo für NZZ Format sowie einem Arte-Film über Muscheltaucherinnen am Kongo-Fluss.
